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11.7.2020 18:22 +0200

Herkunft und Schrift der Maya

Palenque Glyphen im Tempel XVIII

Die Olmeken (1500 - 300 v. Chr.), als Vorläufer der Maya betrachtet, schufen bereits in der vorklassischen Maya-Zeit (1500 v. Chr. - 200 n. Chr.) ein Staatsgebilde, das sich aus der dörflichen Agrargemeinschaft hin zur Stadtkultur mit einem König als Führungspersönlichkeit entwickelte.

Bei den Maya der klassischen Periode (200 n. Chr. – 900 n. Chr.) schufen Gottkönige, Priester, Handwerker und Bauern Reiche, deren steinerne Hinterlassenschaften - Pyramiden, Tempel und Paläste nebst ihren Inschriften - für uns heute Zeugnisse einer Hochkultur darstellen.

Bevor die Maya aber in die Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens, des Industals und Chinas eingereiht werden konnten, mußte ihre Kultur wieder aufgefunden werden. Seit dem 19. Jahrhundert wurden Mayastädte entdeckt und ausgegraben (Bonampak, Chichen Itza, Caracol, Cerros, Copan, Dos Pilas, Edzna, El Mirador, El Peru, Mayapan, Naranjo, Palenque, Piedras Negras, Quirigua, Tikal, Tonina, Tulum, Uaxactun, Uxmal, Xunantunich, Xultun, Yaxchilan u.a.).

Das entscheidende Merkmal einer Hochkultur, die Schrift, wurde zwar bei den Maya schon 1827 von Constantine Rafinesque vermutet. Ernst Förstemann entdeckte 1880 im Dresdner Codex das Zahlensystem der Maya und seine Anwendung auf den Kalender. Aber erst die Forschungsansätze von Heinrich Berlin, Michael Coe, David Freidel, Nicolai Grube, Juri Knorozov, Floyd Lounsbury, Tatiana Proskouriakoff, Linda Schele, David Stuart und Eric Thompson führten ab den fünfziger Jahren zu einem Ergebnis. Wobei Thompson seine schon 1937 formulierten Grundsätze, er ging von einer Bilderschrift aus, später widerrief. Knorozov wies 1952 als erster die phonetisch-syllabische Bedeutung einzelner Zeichen nach. Heute, nach der Entzifferung von 80-90 Prozent der Hieroglyphen, können wir die Geschichte der Maya und ihre Vorstellung über den Kosmos sowie ihre Kalenderberechnungen nachvollziehen.

Nur drei Bücher der Maya sind erhalten geblieben, zum Glück haben sie ihre Geschichte auch auf Steinen und in Stuck aufgezeichnet. Linda Schele und David Freidel haben mit ihrem Buch: "A Forest of Kings. The Untold Story of the Ancient Maya", die Geschichte der Maya wieder neu geschrieben, nach über tausend Jahren der Vergessenheit im Wald von Yucatan.

Die Schriftsprache

Die Schriftsprache der Maya besteht aus zusammengesetzten Zeichen, den Bedeutungszeichen (Logogramme) und phonetischen Zeichen (Syllabogramme). Es werden etwa 500 der bekannten 800 Zeichen häufiger benutzt. Nicht immer werden logosyllabische Kombinationen eingesetzt, die Schreiber der Maya haben die Schriftzeichen häufig künstlerisch verändert. Im Gegensatz zu den Schreibern in Europa gehörten sie häufig dem Adel oder sogar der Königsfamilie an und waren deshalb in ihrer Formgebung nicht Weisungen unterworfen. Nach heutiger Meinung lag den Texten viele Jahrhunderte eine der 31 bekannten Maya-Sprachen, das Chol, zugrunde. Aufgrund der Komplexizität der Zeichen wird vermutet, dass nur bestimmte Bevölkerungsgruppen diese lesen konnten.

Aus der klassischen Zeit sind keine Original-Bücher erhalten. Die aus dem 12-13 Jahrhundert stammenden Codices sind bereits Abschriften. Es ist davon auszugehen, dass weit mehr Bücher dem Verfall und der Zerstörung durch Kriegsparteien zum Opfer gefallen sind, als der Bücherverbrennung durch die Spanier.

Die Beispiele sind Nachzeichnungen aus Coe/Van Stone 2001: